Heidepokal 2003
 
Zur Berichtauswahl
Drucken



Ich muss schon etwas verrückt sein, denn direkt nach der für mich relativ erfolgreichen LM fuhr ich gleich zum nächsten Wettbewerb, nach Roitzschjora bei Bad Düben. Dort fand der schon traditionelle Heidepokal bereits zum zehnten mal statt. In der Standardklasse, wo ich mit unserer 1B gemeldet war, ging es um die Qualifikation zur Deutschen Juniorenmeisterschaft 2004. Vor Ort stellte ich fest, das ich in meiner Klasse der einzige Ossi war und außerdem der einzige Sachsen-Anhaltinische Teilnehmer.
Nachdem wir in Renneritz schon viel geflogen sind, wurde es in Roitzschjora noch „heißer“: von 14 Wettbewerbstagen befand ich mich ganze 11 Tage in der Luft, mit dem Ergebnis von ca. 45 Flugstunden und 3000 Strecken-km.
Von Wetter und Organisation her ist es einer der schönsten Wettbewerbe, den ich je mitgeflogen bin. Einen so reibungslosen Startbetrieb und so diszipliniertes Fliegen bei immerhin 50 Teilnehmern kann man sich nur wünschen. Da merkt man auch die große Erfahrung des Wettbewerbsteams.

Nachdem der 1. Wettbewerbstag aus Wettergründen neutralisiert worden ist (ein dieses Jahr seltenes Phänomen), wurde es am Sonntag ernst: AAT-Vieleck um Lüsse, Burg und Reindorf mit jeweils 10 km Radius. Dieser Tag war sehr ärgerlich für mich, denn eigentlich war schon vor dem Abflug alles aus: Meine Stromversorgung für Funk und Rechner sponnen völlig rum.
Nachdem die ersten 60 km mehr oder weniger gut in 35 Minuten geschafft worden sind, fielen dann Bordrechner, Funk und Logger nacheinander aus! -> Außenlandung nach 85 km, Tagesletzter, Mist... Die Ursache waren 2 Kabelbrüche in den Leitungen für Logger bzw. Funk. Wurden abends gelötet, alles wieder ganz.

Nachdem wir am nächsten Wertungstag gegen 16:00 Uhr (!) zu einem Cat´s Craddle abgeflogen sind, ging es darum, in 2,5 h so viele km wie möglich zusammenzufliegen und möglichst wieder zu Hause zu landen. Nach der eigenen Fehlentscheidung, 45 min vor Wertungsende noch mal die Elbe nach Norden zu überfliegen, landete ich gegen 18:20 Uhr in Oehna. Sch... dachte ich mir, wieder draußen. Aber wenigstens funktionierte die Stromversorgung... Ich war dann doch erstaunt, dass ich 7. des Tages wurde. Eigentlich war damit alles aus, um vorne mitzufliegen.

Ab dem nächsten Tag wurde das Wetter – und meine eigenen Leistungen- immer besser. Regen oder gar Wolken sollten ab diesem Tag was unbekanntes darstellen. Ab dem 3. Wertungstag wurde fast komplett im Blauen geflogen, was durch die gute Thermik aber nichts schlimmes darstellen sollte.
Zum 4. Wertungstag gibt es was lustiges zu berichten: Nachdem die gesamte Standardklasse an der letzten Wende abgesoffen ist, bin ich innerhalb von 6 Tagen zum 3. mal in Oehna gelandet. Irgendwie kannten die mich da schon, und Landegebühren brauchte ich als „oft-in-Oehna-Lander“ auch nicht zu bezahlen. Eigentlich hätte die Wettbewerbsleitung die Zielline dorthin verlegen können, denn wir lagen alle im Umkreis von 10 km um diesen Platz. Nach einem Rückschlepp von dort meldete ich mich im Funk an und musste feststellen, das außer mir und 3 Flugzeugen anderer Klassen ALLE Hänger unterwegs waren und somit der Flugplatz wie ausgestorben war.
Nachdem wir am 5. Tag innerhalb von 3,5 h in einem Cat´s Craddle so 300 km geflogen sind, war der nächste Tag als Ruhetag deklariert. Und prompt bei diesem Ruhetag schlug abends dann unser Puchacz 10 zur Außenlandung in Rotzschjora ein!
Und nach dem Ruhetag sind wir jeden Tag geflogen!

Der 3.8. wurde früh als der Hammertag angepriesen: 550km rund um Berlin! Ouu, dachten wir uns. Nachdem das Wetter sich dann doch nicht so entwickelt hat wie erwartet, verkürzte die Sportleitung auf „nur“ 470 km. Das war für uns als letzte gestartete Klasse aber auch zu viel, schließlich landeten die meisten, die es nicht schon früher erwischte, 150 km Luftlinie vom Platz weg in Gardelegen. Einer flog weiter als Gardelegen und kam nach Hause! Jedenfalls war ich mit diesen 345 km Tagesdritter. Dieser Flug war schon irgendwie stark: Nachdem es im Fläming überentwickelte war die Taktik folgendermaßen: vor der Wolke maximale Höhe holen (bei 3km Sicht!), durch die Schauer durch und kurz dahinter wieder „Tanken“. Wenn es mich nicht in Gardelegen runtergespült hätte, wäre ich bestimmt nach Hause gekommen, denn auf dem letzten Schenkel soll´s trocken gewesen sein...
Jedenfalls war ich früh halb 3 nach der Rückholtour wieder im Bett.
Dieser Tag war dann auch der einzige in der 2. Woche, wo es Wolken und Schauer gab.

Was sich in meiner Klasse am 4. 8. abspielte, kann ich bis heute immer noch nicht begreifen.
Es war jedenfalls so, das sich meine Klassenkameraden im Funk verabredeten nicht abzufliegen, und schließlich wieder landeten. Ich verstand diese Entscheidung nicht (es war ja Steigen da). Ich jedenfalls landete nicht und flog auf die ausgeschriebene Strecke ab. Es kamen dann so um die 300 km raus, für mich als einzigem meiner Klasse. Jedenfalls war der Tag nicht wertbar.

Die weiteren Tage waren komplett blau und ich kam jeden Tag mit guten Schnittgeschwindigkeiten zwischen Tagesplatz 4 und 6 wieder in Roitzschjora an.
Der 9. Wertungstag war von der Aufgabenstellung ziemlich stark: 324 km-Kraftwerksrallye um Peitz- Boxberg und zurück. Nach einem ellenlangen Gleitflug über die Tagebaue nördlich Boxberg fand ich in ca. 350 m dann auch den rettenden Kraftwerksbart, der mich in turbulenten 2-3 m/s nach oben treckte. Es ist schon ein cooler Anblick, so 150 m unter einem in die Kühltürme reinzugucken.
Auch am 10. Wertungstag flogen wir so um die 300 km.
Am 11. und letzten Wertungstag wurde bei zum Schluss guter Trockenthermik bis 2500m eine Ministrecke von 212 km ausgeschrieben, dass auch alle wieder landen, um abends zum Abschlussfest da zu sein. Die Aufgabenstellung war sehr „kreativ“: Pouch - Dieterdorf - Roitzschjora - Straach - Dessau - ZL West. Kein Wendepunkt weiter als 50 km von Roitzschjora weg.

Allgemein ist zu berichten, das Zielanflüge in Roitzschjora aus jeder Richtung einen Riesen Spass machen. Man kommt immer direkt rein, und die letzten 3 km fliegt man in der Regel mit Vollgas in Ameisenkniehöhe an. Oder bei der Landerichtung West hat man unmittelbar vorm Platz einen gut besuchten Badesee, über den man entsprechend tief drüberfliegen kann, um die Badegäste zu „erfreuen“.
Es ist also überhaupt kein Risiko an diesem Platz auch mal knapp reinzukommen, weil landen kann man sehr sicher in Platznähe.

In der Endabrechnung schaffte ich in meiner Klasse einen für mich enttäuschenden 7. Platz.
Durch die relativ hohen Punktverluste der ersten 2 Tage war ich „abgeschossen“. Ich steigerte meine Leistungen jedoch kontinuierlich auf ordentliche Tagesplatzierungen. Mein eigentliches Ziel, eine direkte DM-Quali, habe ich dadurch natürlich versaut und kann nur auf einen Nachrückerplatz für 2004 hoffen.
Ich würde mich freuen, wenn in Zukunft mehr Teilnehmer aus Sachsen-Anhalt, auch aus unserem Verein, bei solchen Wettbewerben mitfliegen, denn man kann nur dazulernen.

Unmittelbar im Anschluss fuhr ich gut gerüstet nach Marpingen zur DJM, worauf ich mich eigentlich die gesamte Saison gefreut habe. Bei ca. 40°C im Schatten und 37°C Auslösetemperatur flog ich das Pflichttraining mit. Unmittelbar am nächsten Tag ging dann der eigentliche Wettbewerb vor.
Am 1. Wertungstag musste ich feststellen, das man zu einer 270km großen Aufgabe um 15:00 abfliegen kann und mit einem 90er Schnitt im Trocknen im hinteren Drittel des Feldes liegt. Jedenfalls war ich überm Nürburgring in 2900m NN .
Am 2. Wertungstag flog ich –wieder im Blauen- gegen 15:00 zu einer 200km großen Aufgabe ab. Bis zum Zielanflug hatte unsere 3er Gruppe keinen Segler gesehen. Doch plötzlich kamen alle rein. Der Pulk war 15:30 zum Abflugschluss losgetobt und hatte uns 30 min abgenommen.
Na schön, wieder was dazugelernt...

Der 3. Wertungstag war traurig: Nachdem wir auf eine 420km-Aufgabe um 14:30 Uhr (!!!) abgeflogen sind, bin ich erstmal im Pulk mit. Eine 5er Gruppe mit mir löste sich vom Pulk, weil wir eine bessere Linie erwischt hatten. Es flog sich ganz gut, bis 50km vorm Platz, dort war es blau und mau. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch einen 100er Schnitt. Ich war in meiner Gruppe der tiefste, als wir plötzlich die Clubklasse kreisen sahen. Das Problem bestand nur darin, das dazwischen eine ca. 600m hohe Hügelkette war. Ich schaffte es nicht und musste landen, 30km vor dem Platz. Nach dieser Landung musste ich feststellen, das mein Segler leicht beschädigt war.
Da eine Reparatur in Marpingen nicht möglich war und bei den umliegenden LTB´s keiner aufzufinden gewesen ist, musste ich schweren Herzens den Wettbewerb abbrechen.
Und im Nachhinein muss ich feststellen, dass es doch in jeder Klasse einige grössere Schäden gab, die alle nicht repariert werden konnten...
Nach einer Reparatur im Verein ist der Discus nun wieder voll ok.

Steffen Schmidt

Berechnung der Seite in 0,015625 s