Musbach 2014



QSM 2014 - Flugplatz Musbach / Schwarzwald



16.07.2014 - Die Fahrt beginnt

Etwa 11 Uhr begaben wir uns auf den Weg in das beschauliche Baden-Württemberg. Der Schwarzwald war unser Ziel, genauer Musbach. Dort findet eine Qualifikationsmeisterschaft für die Deutsche Meisterschaft 2015 statt, hier in der Club- und 18m-Klasse.

Chris hatte unsere DG100 (O1) am Haken, ich fuhr mit meinem Jantar Std. (VB).
Zum Zeitpunkt der Abfahrt waren 34 Teilnehmer, 17 pro Klasse, angemeldet - also ein überschaubarer Wettkampf.

Nach diversen Stopps und knapp 7 Stunden Fahrt haben wir gegen 19 Uhr den Flugplatz erreicht. Dieser liegt auf knapp 700m Höhe - somit war zumindest keine Affenhitze zu erwarten. Wir begannen uns einzurichten: Zelte aufbauen, Event Shelter aufbauen, Autos ausräumen. Danach noch fix etwas essen und ab ins Bett - uns tat sowieso schon alles weh.



17.07.2014 - Technikcheck

Gleich 7 Uhr ging es los. Sonnenstrahlen weckten uns.

Doch da wir recht spät in Musbach angekommen waren, mussten wir erst einmal alle notwendigen Dinge kaufen - Essen, (alkoholfreie) Getränke und natürlich Bier. Danach fix gefrühstückt und Flugzeug aufgebaut. Im Anschluss erst einmal alles Material auf Vollständigkeit prüfen und einen Bodencheck machen. Auch haben wir beide Flugzeuge gründlich geputzt.

Wir waren aber nicht die Ersten, die am Vortag angereist waren. Lukas Winterhoff (Std. Cirrus - ICU) war bspw. auch schon da und begab sich am heutigen Trainingstag zeitig in die Luft.

Für uns standen aber erst einmal Gespräche mit den Einheimischen an, damit wir die Wetterverhältnisse und die Fliegerei im Schwarzwald verstehen lernen. Schließlich ist eine Außenlandung hier keine einfache Sache wie bei uns.

Gegen 16 Uhr konnten wir dann das erste Mal in Musbach starten - eine sehr aufregende Geschichte. Geschleppt wurden wir von einer Dynamic (UL) mit strammen 0,5 - 1 m/s. Direkt am Platz war keine Thermik zu finden, daher wurde wir über den Schwarzwald geschleppt - ich wurde dabei auf ca. 1100m katapultiert und fand im Ausklinkraum dann auch fix knapp 3 m/s. Chris hatte anfangs etwas Schwierigkeiten und konnte später aber auch gut Höhe gewinnen.

Imposant waren dabei die Basishöhen und die Steigwerte zu später Stunde. Auch 18 Uhr ging es noch nach oben, wenn man wollte. Die Basis lag nah bei FL100. Nach näherer Betrachtung der Flugplatzumgebung landeten wir beide und machten die Flugzeuge für den nächsten Tag fest.

Der Roland (Ventus 2cT, BF) aus Eichstätt stieß am Abend zu unserer Gruppe dazu und baute auch sein Reich in Musbach OT Oppin auf. Gemeinsam mit dem Roland klang der Abend dann feuchtfröhlich aus. Auch unsere zukünftigen Rufnamen wurden schnell festgelegt:

" Chris, O1: "Obstler Eins"

" Stefan, VB: "Vierzig Bier"

" Der Roland, BF: "Billigfusel"



18.07.2014 - Zweiter Trainingstag

Die Sonne scheint, wir sind früh wach. Nach dem Frühstück baut der Roland gleich den Ventus auf, doch das Wetter hat sich leicht stabilisert - Warmlufteinfluss stört am Platz die Thermik. Auch die anderen Teilnehmer, die bereits zum Training angereist waren, warten sehnsüchtig auf Steigen am Platz.

Der Roland ist dann der Erste, der sich in den Himmel traut. Nach dem Ausklinken und kurzen Suchen entscheidet er sich schnell für seinen Turbomotor und fliegt ins gute Wetter. Die anderen motorisierten Flugzeuge folgen schnell. Über Funk können wir uns das tolle Wetter anhören…

Wir entscheiden uns gegen 14 Uhr, den Trainingstag zu streichen. Wir fahren in die Stadt um noch kleinere Besorgungen zu erledigen - u.a. 3 Eis für 21 EUR. Als wir wieder auf dem Platz angekommen waren, war der Roland bereits gelandet. Wir halfen noch beim Abrüsten und begaben uns dann zügig unseren hervorragenden Shelter um diverse Null-Fünfer-Glasmantelgrale zu uns zu nehmen. Parallel dazu wurde der Roland in die ostdeutsche Sprache eingeweiht.

Gegen 22 Uhr stieß dann auch Christian Laue als Helfer zu uns und unser 5er-Team war komplett.



19.07.2014 - Erster Wettbewerbstag

Samstag, endlich der erste Tag. Schönes Wetter war auf jeden Fall, aber vor allem auch ziemliche Hitze. Jeder von uns hatte schon mindestens einen kleinen Sonnenbrand…

9:30 Uhr begann das Eröffnungsbriefing. Wettbewerbs- und Sportleiter Axel Reich begrüßte uns in einer kleinen, aber angenehmen Runde. Wir diskutierten diverse Regeln und Abläufe und bekamen anschließend die A-Aufgaben. Für die Clubklasse waren knapp 270km aufgeschrieben, während der Roland 300km vorgelegt bekam. Beide Strecken gingen in den Schwarzwald mit einem kurzen Abstecher Richtung Osten.

Wir bauten auf und stellten uns in die Startaufstellung. Dann begann das Warten - der erste Start wurde mehrfach verschoben, da die Auslösetemperatur von 31°C einfach nicht erreicht wurde. Auch der Wetterflieger kehrte schnell an den Platz zurück.
Kurz vor 14 Uhr ging es dann doch los, allerdings mit einer B-Aufgabe für beide Klassen. Diese enthielt nicht mehr den Wendepunkt im Südosten (Sigmaringen), sodass die Clubklasse knapp 200km und die 18m-Klasse 230km auf der Uhr hatten. Nachdem die ersten 0,5 m/s gekurbelt wurden und kaum solide Höhe brachten, wurde der Schwarzwald eröffnet. 3 - 4 m/s bei über 2900m Basis standen an. Hier mussten wir aufpassen, für den Abflug nicht zu hoch zu sein (max. FL95). Dieser war dann auch schnell geholt und der erste Schenkel zum Titisee angefangen. Kaum Kreisen, schneller Vorflug - einfach Traumhaft. Auch der zweite Schenkel nach Besenfeld begann sehr gut. Etwa ab Winzeln zog dann allerdings eine Abschirmung von Westen herein und machte den Flug deutlich schwieriger. Wir bemerkten, dass wir zu spät losgeflogen waren. Unser guter Schnitt war dahin. Wir suchten großflächig den Schwarzwald nach Thermik ab, konnten schließlich irgendwie in Besenfeld wenden und waren somit auf dem Weg nach Schiltach, zur letzten Wende.

Wenige Kilometer westlich von Musbach fanden wir dann einen erlösenden Bart, der uns wieder auf über 2100m brachte. Chris flog etwas niedriger zur letzten Wende los als ich und war etwas vor mir. Relativ früh bemerkten wir beide, dass es mit Thermik wohl vorbei war. Die Höhe muss nach Hause reichen, immerhin knapp 50km vom letzten Bart aus. Chris musste schließlich 12km vom Platz auf einem bereits besetzen Acker außenlanden, während ich noch nach Musbach gleiten konnte.

Der Roland erwartete mich bereits und erzählte von seinem Flug. Ihm erging es ähnlich wie uns - wir waren einfach zu spät dran. Die Früh-Abflieger hatten es etwas einfacher. Schlussendlich landete ich punktgleich mit Thomas Pflug auf Rang 7, Chris wurde als zweitbester Außenlander 10. von 17. Piloten. Der Roland wurde 8.

Chris war relativ zügig wieder auf dem Flugplatz angekommen und wir besprachen den Flug. Wir waren beide zufrieden - wir hätten aber natürlich besser sein können.



20.07.2014- Zweiter Wettbewerbstag

Wir standen gewohnt zeitig auf, doch die am vorigen Tag reingezogene Abschirmung stand fix über dem Flugplatz. Beim Briefing 10:30 Uhr wurde der Tag dann abgesagt.

Wir gingen ins Kino und anschließend XXL-Schnitzel essen. Chris nahm sich hier ein neues Ziel vor: Im Laufe des Wettbewerbs will er das 1,2kg-Schnitzel mit Beilagen schaffen. Aber diesmal wurde mit "nur" 600g aufgewärmt.

Es war bereits abzusehen, dass auch am Folgetag nicht geflogen werden wird. Der Abend wurde entsprechend vollzogen…



21.07.2014 - Dritter Wettbewerbstag

Spätes Aufstehen war diesmal notwendig - und auch kein Problem da wir eine Neutralisations-Mail gegen 9 Uhr erhalten hatten.

Für uns ging es dann erst nach Freudenstadt etwas Schlendern. Wir suchten außerdem einen Imbiss zur kurzen Stärkung - leider ist es hier üblich, Geschäfte montags gar nicht erst zu öffnen und früh zu schließen. Auch eine Siesta scheint hier üblich. Nach einer Stunde fanden wir einen Döner-Imbiss mit äußerst schmackhaftem Fleisch. Der vermutlich beste Döner der Welt wurde uns serviert… Ehrlich!

Nach der Stärkung ging es zum Kart-Fahren. 3 Stunden fahren war ziemlich hart und wir alle wurden von einem 10jährigen Nachwuchstalent deutlich geschlagen. Von unserer Anfänger-Truppe war Markus der Beste. Nach einem kurzen Einkauf ging es zurück nach Musbach OT Oppin, während der Regen bereits eingesetzt hatte. Das übliche Abendprogramm wurde vollzogen, wobei der Roland mittlerweile dem Ostdeutschen relativ gut mächtig ist. Warnee?



22.07.2014 - Vierter Wettbewerbstag

Die ganze Nacht hat es geschüttet… Briefing war nichtsdestotrotz 10:30 Uhr, wobei eindeutig weniger Piloten teilnehmen konnten. Erneut wurde neutralisiert, doch die Aussichten für die Folgetage sind deutlich besser. Wir verbringen den Tag sehr ruhig und bereiten uns auf das abendliche Kochvergnügen vor… Pilzpfanne made by Obstler Eins…

Während des Essens folgt noch eine weitere Lehrstunde für den Roland und eine Teambesprechung für den Folgetag. Der Abend klingt gemütlich aus.



23.07.2014 - Fünfter Wettbewerbstag

9 Uhr aufstehen - und heute auch mal aufbauen! Wir bekommen Racing-Aufgaben in den nördlichen Teil. Chris und Ich dürfen uns an knapp 250km versuchen, während der Roland nochmal 50 weitere Kilometer fliegen muss.

Das Wetter gestaltete sich allerdings reichlich schwierig, der Start wurde mehrfach verschoben. Vorallem in den nördlichen Bereich sieht es schwierig aus. Nach dem Start traut sich fast keiner abzufliegen. Überall bilden sich Pulks rund um den Abflugpunkt Freudenstadt - bei einer maximalen Basis von 1.000m GND… Nach knapp einer Stunde muss ich wieder landen, genauso wie ein paar andere Piloten. Ich starte wieder, während Obstler Eins gerade zur Landung einschwebt - er bricht ab.

Ich versuche knapp 2 Stunden, den Sprung nach Norden zu schaffen. Man muss wissen, dass der Schwarzwald nördlich von Besenfeld über ca. 30 - 35km nahezu unlandbar ist. Auch ein hinausgleiten funktioniert kaum - zumindest nicht mit der Clubklasse. Auch ich muss abbrechen. 1.100m Höhe reichen einfach nicht, um den Schwarzwald in den Norden sicher zu übergleiten. Außerdem gibt es erst nördlich des Schwarzwaldes wieder Thermik… Ich lande ebenfalls wieder in Musbach.

Abends erfahren wir, dass sich einige über den Schwarzwald getraut haben - und direkt dahinter außengelandet sind. Der Roland erzählt, wie er einige Piloten sehr niedrig hat kurbeln sehen, ca. 150m GND sollen sie gehabt haben… Er war aber heute richtig gut - toller vierter Platz. Dafür gibt er uns später allen eine Pizza aus!



24.07.2014

Die Sonne lacht weiter! Aufbauen, Frühstücken, Briefing. Erneut ein Racing Task, Südschwarzwald und Alb als Ziel. Schöne Strecke. Jedoch gibt es aufgrund drohender Schauer und Gewitter zeitig eine B-Aufgabe. Die Aufgabe wird in ein AAT umgewandelt… Es geht los, gute Basishöhen und Steigwerte im Schwarzwald. Für uns laufen die ersten zwei Schenkel ganz gut. Richtung Alb baut es jedoch ab, die Basis sinkt und die Steigwerte lassen nach…

Ich fliege eher nördlich in die Alb rein, während Chris einen südlichen Weg versucht - und bei Albstadt absäuft. Ich verliere viel Zeit auf dem 3. und 4. Schenkel, treffe dabei einige Flieger meiner Klasse. Von Chris höre ich nix mehr.

Pünktlich treffe ich in Musbach wieder ein, ganze 19 Sekunden unter der Minimalzeit von 3 Stunden - fast perfekt. Mit mir landen viele andere Piloten meiner Klasse in Musbach. Christian empfängt mich bereits. Nachdem die ersten Pulks gelandet sind, meldet sich dann auch Chris. Von dem Roland ist allerdings noch gar keine Spur… Doch fast eine Stunden nach Chris' Landung meldet dann auch BF 10km…

Nach der Landung dann heftige Diskussionen. Der Roland meint, einen 135er Schnitt geflogen zu sein. Er habe den ersten Schenkel vermasselt und ist dann ein zweites Mal abgeflogen. Es stellt sich jedoch heraus, dass sich sein Rechner vertan hat. Am Ende wurde er Siebter mit 114 km/h. Ich und Chris reihen uns auf Platz 14 und 15 ein. Die Alb hat uns nicht gut getan…



25.07.2014

Wir bauen auf. Das Wetter soll heute noch labiler werden als gestern. Entsprechend erhalten wir erneut ein AAT, ähnlich wie am Vortag. Es geht wieder in den Südschwarzwald und in die Alb. So langsam kennen wir uns aus. Pünktlich 11.30 Uhr geht es los. Wir können kaum fassen, dass bereits jetzt die Basis bei 2.500m MSL ist und die Steigwerte jenseits der 3m/s sind…

Ich fliege relativ früh ab, habe zu Chris nur Funkkontakt. Der erste Schenkel - wie immer kurz in den Norden, läuft ohne Kreisen. Auch der zweite Schenkel in das Donautal ist problemlos, wenn auch etwas verregnet. Man musste lediglich von Freudenstadt nach Schramberg durchgleiten. Wer spät abgeflogen ist, hatte hier Probleme.

Die Labilität nahm in Richtung Alb immer weiter zu, was zu starken Absaugverhältnissen geführt hat. Mich hat es auf dem 3. Schenkel dann bei Königsberg hinuntergespült. Ein toller Acker - hätte ein Flugplatz werden können. Kurz nach der Landung meldet sich auch Chris. Er ist auf dem zweiten Schenkel in Winzeln gelandet. Er war später los und hatte, wie oben bereits erwähnt, Probleme beim Durchgleiten.

Als wir wieder in Musbach angekommen sind, erzählt uns der Roland, dass er den Motor gezogen hat. Viele sind wohl nicht rumgekommen. Aus unserer Klasse haben es 7 Leute geschafft. Ich lande auf Platz 12, Chris auf Platz 15.



26.07.2014

Der Tag sieht morgens noch gut aus, wir bauen jedoch aufgrund der kritischen Vorhersage nicht auf. Zum Briefing wird der Tag gecancelled. Es ist zu labil, Gewitter würden uns den ganzen Tag begleiten.

Ich beende den Wettbewerb auf Platz 13, Chris auf Platz 16. Der Roland landet auf Platz 8.

Wir entscheiden uns dazu, heute abzubauen und wieder zurück zu fahren. Die meisten anderen Piloten treffen auch diese Entscheidung. Pünktlich nach Abbauende kommt auch ein heftiges Gewitter. Wir warten ab und fahren anschließend los.

Nach knapp 7,5 Stunden Fahrt treffen wir wieder in Oppin ein.



Gesamtfazit

Ein toller Wettbewerb. Das Wetter hier spielt einfach in einer eigenen Liga und ist nicht mit unseren Wetterverhältnissen vergleichbar. Trotz "nur" 4 Flugtagen hatten wir viel Spaß. Wir wollen wiederkommen!



Stefan