Viel Aufwand betrieben für wenig fliegen!
 
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Viel Aufwand betrieben für wenig fliegen!

Dieser Meinung waren wohl viele der Teilnehmer des diesjährigen Fliegerlagers in Hodkovice (Tschechien). Drei Tage konstante Schauer und ein kaputter Bocian trugen zu dieser Einsicht bei. Dabei fing eigentlich alles ganz gut an…

1. Tag, 16.7.2011:
Am Samstagmorgen trafen sich viele optimistische Vereinskameraden voller Vorfreude am Flugplatz. In den nächsten zwei Stunden wurde alles eingepackt, was wir für den Sommerlehrgang brauchten. Der Bocian wurde unter großer Anstrengung abgerüstet und auf einen wenig vertrauenserweckenden Hänger, den uns der Magdeburger Verein freundlicherweise auslieh, verladen. Dabei war sich niemand so wirklich sicher wie dies vor sich gehen sollte. Die anderen Flugzeuge wurden angehängt, Töpfe und Proviant verstaut und dann gings nach einem kurzen Briefing auch schon los. Nach interessanten Expeditionen in die Zittauer Innenstadt kam auch der Bocian schließlich am Flugplatz in Hodkovice an und wurde von allen herzlich empfangen. Abends wurde noch gemütlich gegrillt, bis sich jeder in sein Feldbett begab.

2. Tag, 17.7.:
Früher als erwartet trafen sich schon um halb neun alle Flug-"Hungrigen" zum Frühstück. Als alle satt waren sammelten wir uns vor dem Vereinsheim zum Briefing, wenig später standen alle Flugzeuge aufgerüstet am Start. Im Laufe des Tages kam jeder zum fliegen, es gab Schulung- und Einweisungsstarts. Das gute Wetter ermöglichte aber auch schon einigen Streckenfliegern über 5 Stunden Flugzeit. Alle waren sehr zufrieden mit den Schlepps des lokalen Schlepppiloten "IMI" und besonders sein Abtauchen nach dem Ausklinken sorgte für Begeisterung. Gegen sechs kamen dann auch noch Jochen und Chrissy aus Halle an. Während der 1. Vorsitzende seinen Palast erbaute, hatte auch Chrissy schon ihr wasserdurchlässiges Zeltlein errichtet. Nach dem Abendessen spielten wir noch eine Runde Frisbee mit einer kurios leuchtenden Scheibe.

3. Tag, 18.7.:
Nachdem am Tag vorher unsere Gastgeber ihre H-4 Winde überprüft hatten, stand sie uns am Montag für die ersten Windenstarts zur Verfügung. Als Pioniere trauten sich Sebastian und Rainer als erstes einen Start gen Himmel zu versuchen… Das Seil straffte sich, der Bocian rollte an, hob ab und ging langsam in volle Steiglage. Alle schauten gespannt zu, als plötzlich in ca. 80 Meter Höhe ein lauter Knall ertönte. Zunächst sah alles nach einem normalen Seilriss aus, doch dann sah man deutlich, dass das Vorseil nicht ausgekuppelt war. Nachdem das Flugzeug hinter dem Hügel der Landebahn verschwunden war, fuhr ein Team hinterher. Schon von weitem war klar, da war etwas nicht in Ordnung. Ein großes Loch erstreckte sich über den hinteren Rumpf des Bocians. Das Ende des Seils hatte sich fest in einem Spant verankert. Die Sollbruchstelle war gebrochen und das elastische Vorseil zurückgeschnellt. Dabei durchschlug es die Bespannung. Es war offensichtlich, dass der Schaden nicht kurzfristig zu beheben war und daher der Bocian in diesem Sommerlehrgang nicht mehr fliegen würde. Wir entschieden uns erstmal keinen Windenbetrieb mehr durchzuführen. Stattdessen war der Schlepppilot "IMI Nr. 2" in kürzester Zeit mit seinem Flugzeug zur Stelle. Auf Grund des mittelmäßigen Wetters fanden keine größeren Streckenflüge statt, sondern vor Allem Schulungs- und Spaßflüge. Abends spielten mit einem improvisiertem Netz Volleyball.

4. Tag, 19.7.:
Uwe prognostizierte schon beim Briefing gutes Wetter für den Tag und nur Abends eventuell eine Abschirmung. Nach dieser guten Vorhersage standen alle unsere Flugzeuge schnell am Start bereit. Zunächst fanden ein paar Schulungsstarts statt, bis sich gegen 12 Uhr die Streckenpiloten in die jetzt gute Thermik stürzten. Von allen Piloten schaffte Stefan Löser mit der ASW 19 den längsten Flug von 3:20 Stunden. Als letztes traute sich auch Thomas nach reiflicher Vorbereitung auf seine erste 50km-Strecke. Um 15 Uhr kam die Abschirmung aus dem Westen und beendete das Vergnügen. Fast alle Piloten schafften es so gerade zurück nach Hodkovice, nur Thomas war gezwungen auf dem Flugplatz in Liberec zu landen. Den letzten Schenkel seiner Strecke musste er also im Auto antreten. Die Abschirmung blieb allerdings nicht lange und so konnten am späten Nachmittag noch einige Starts gemacht werden. Zum Abschluss des Tages gab es ein köstliches Abendessen und einen Film.

5. Tag, 20.7.:
Am Mittwochmorgen war die Stimmung der Vereinskameraden deutlich tiefer. Dies machte sich unter anderem bemerkbar durch die Abwesenheit vieler am Frühstückstisch. Der Grund: Nächtliche Regenschauer fluteten so manch Zelt und ließen dessen Insassen ohne Schlaf. Nach dem Frühstück bestätigte sich beim Briefing was die meisten vermutet hatten: "Heute wird nicht geflogen". Deshalb entschlossen wir uns einen Ausflug nach Prag zu machen. Nach ein paar Stunden kamen wir schon am Luftfahrtmuseum in einem Vorort von Prag an. Hier konnten wir die verschiedensten Bereiche der Luftfahrt erkunden, von Kanonen und Militäruniformen bis zu Blaniks, Migs, Antonovs, tschechische Messerschmidts und viele weitere Flugzeuge. Anschließend begann es zu Regnen dieser Regen sollte bis zum Ende des Sommerlehrgangs nicht enden. Nach einigen Navigationsproblemen trafen sich einige von uns in der Prager Innenstadt. Doch der starke Regen behinderte ein ausführlicheres Sightseeing und deshalb konnten wir nur einen Kaffee und Kuchen genießen. Eine kurze Regenpause zum Abend reichte um die traditionellen Spieße am Lagerfeuer zu speisen. Zu diesem Zeitpunkt begrüßte uns auch Johannes der gerade aus Dessau angekommen war. Als alle satt waren, spielten wir noch eine Runde Monopoly/Poker.

6. Tag, 21.7.:
Der Regen in dieser Nacht war noch schlimmer als bisher. "Fräulein von Bose" musste am frühen morgen ihr Hab und Gut ins sichere Trockene bringen nachdem ihr Zeltchen endgültig dem Regen erlag. Der Frühstückstisch an diesem Morgen war noch bescheidener besetzt als am vorigen Tag, offenbar hatten nicht viele sehr gut geschlafen. Das Briefing setzte keinen festen Tagesablauf fest. Der Großteil der Jugendgruppe fuhr gegen Nachmittag nach Liberec, dort besuchten wir den Globus und waren entzückt eine große Auswahl an alkoholischen Getränken sehr günstig zu ergattern. Um nicht mit leerem Magen zu Schwimmen, stoppten wir bei McDonalds. Der restliche Nachmittag wurde in dem Freizeitbad in Liberec verbracht. Zum Abend traffen sich alle wieder am Flugplatz. Dort genossen wir ausnahmsweise eine vegetarische Mahlzeit. Daraufhin wurde Poker gespielt, was jedoch durch die Begeisterung für Johann König später uninteressant wurde.

7. Tag, 22.7.:
Da eine Wetterbesserung nicht zu erkennen war, entschieden wir uns beim Frühstück am Freitagmorgen, einen Tag früher als geplant abzureisen. Nachdem jeder seine Sachen eingepackt hatte, musste der Bocian aufwendig mit gefühlten 100 000 kleinen Stückchen Klebeband abgeklebt werden. Währendessen wurde der Puchacz auch abgerüstet. Zum Abschied bekamen wir noch ein kleines Abschiedsgeschenk in Form von leckerem Lebkuchen. Nach und nach machten wir uns auf dem Weg und kamen früher oder später alle heile in Oppin an.


Christine von Bose & Thomas Gevers

Flugschüler

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