Herbstlager bei herbstlichem Wetter
 
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Herbstlager bei herbstlichem Wetter

Während das Pfingstlager und die Sommerlager aufgrund der „thermischen Verhältnisse“ meist von allen Segelfliegern, besonders von den Streckenfliegern, sehr gerne wahrgenommen werden, ist das Herbstlager vorrangig für Flugschüler interessant. Für Übungen wie Geradeaus- und Kurvenflug, Seitengleitflug, Rollen bzw. dem Erlangen der fliegerischen Fertigkeiten ist Thermik nicht unbedingt erforderlich. Dennoch hat sich das Herbstlager durch eine Besonderheit von den anderen Fluglagern hervorgehoben: An vier Tagen wurde eine Wilga bestellt! So gab es auch für die Lizenzinhaber, die z.B. noch Flüge für den Erhalt ihrer F-Schlepp-Berechtigung brauchten, einen Reiz am Herbstlager teilzunehmen! Doch beginnen wir chronologisch!

Offiziell hat das Fluglager am Samstag, dem 16. Oktober begonnen. Mit Frank Ludwig als Fluglehrer, einem Piraten und einem Bocian am Start, gab es immerhin 31 Windenstarts mit einer Gesamtflugzeit von 2:31 Stunden. Für den 15-Jährigen Jan Fetisch war das der erste miterlebte Flugbetriebstag. Der Reideburger ist nach einem Gastflug im September in unseren Verein eingetreten und hatte heute seine ersten beiden Schulungsflüge. Mit 9 Minuten Flugzeit hielt sich Marco Tuppack am längsten oben.

Sonntag war dann der erste F-Schlepp-Tag! Als Fluglehrer waren Torsten Wilker und Jürgen Dahms eingeteilt. Sicherlich war das einer der lukrativsten Tage für den Wilga-Piloten aus Aschersleben, der trotz des relativ starken Seitenwindes die „F-Schlepp hungrigen“ Oppiner Segelflieger immerhin 29mal in die Luft befördern durfte. Mit Torsten Wilker machte ich meine ersten drei F-Schlepps. Doch wegen des starken Seitenwindes haben wir meine F-Schlepp-Ausbildung dann vorerst abbrechen müssen. Johannes Winter und Marco Tuppack haben an diesem Tag die Übung Kompassfehler abgeschlossen. Die Anzahl von 45 Segelflügen mit 6:39 Stunden Flugzeit konnten wir an keinem anderen Tag im Herbstlager übertrumpfen. Allerdings wurden die Flugzeuge dann erst im Dunkeln wieder in die Halle eingeräumt!

Dafür fiel am Montag der Flugbetrieb dann leider aufgrund eines extrem starken Windes mit Spitzen von bis zu 35 Knoten komplett aus. Doch da vor 10 Uhr ohnehin kein Fluglehrer anwesend war und die Jugendgruppe (wie immer) mitdenkt, wurden der Bocian (D-5393) abgerüstet und die Flugzeuge in der Halle umgeräumt. Der Bocian war für den Flugbetrieb wegen einer defekten Trimmung sowieso nicht einsatzbereit. Die restliche Zeit hat dann jeder individuell nach Lust und Laune genutzt (Freizeit, Sport, Baustunden ect.)

Dienstag war das Wetter dann zum Glück fliegerisch wieder verwertbar. Das wollten auch die Renneritzer Flugschüler ausnutzen und so kamen auch Sandra Gehre und Tim Rauschel zum Flugbetrieb. Sandra und ich kamen an diesem Tag in unserer Ausbildung wieder ein ganzes Stück voran, denn wir haben unter Aufsicht von Michael Hengst und Torsten Wilker erfolgreich auf den Piraten umgeschult. Somit war auch für den Abend genug Bier vorrätig!

Einer der „ordentlichsten“ Tage war mit Sicherheit der Mittwoch, denn mit dem Fluglehrerduo Wilfried Kunz und Frank Ludwig kehrte (endlich?!) wieder Sauberkeit im Verein ein. Da ich an diesem Tag als Seilfahrer eingeteilt wurde, war ich am Startaufbau nicht wirklich beteiligt. Doch als ich dann den SKP betrat, traute ich meinen Augen nicht: Es lag wirklich nichts auf dem Boden und alle Sachen hingen sauber in Reihe und Glied am Haken.
Fliegerisch betrachtet war der Mittwoch anfangs einer der schönsten Tage! Das war besonders für mich sehr erfreulich, schließlich war das der zweite F-Schlepp-Tag. Heute wollte ich meine ersten F-Schlepps alleine machen! Dank Frank hat auch alles geklappt. Insgesamt habe ich mich 8mal hochziehen lassen, 3mal sogar schon mit dem Piraten. Damit habe ich meine Schleppstart-Übung geschafft. Mir graut es jedoch schon jetzt vor der dazugehörigen Rechnung, schließlich hat der Wilga-Pilot aus Taucha mit insgesamt 22 F-Schlepps hauptsächlich an mir sehr gut verdient! Weil die Wilga-Flüge eine Weile dauerten und es später zu regnen begann, mussten wir nach insgesamt nur 6 Windenstarts den Flugbetrieb vorzeitig beenden. Einige Flugschüler erhielten daher leider keine Starts. Das tat mir wirklich sehr Leid, da ich an diesem Tag immerhin 10 Starts bekam. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen Betroffenen für ihre Mithilfe bedanken und um Entschuldigung bitten.

Donnerstag war das Wetter leider nicht viel besser. Statt des Regens hatten wir diesmal wieder mit starkem Wind zu kämpfen. Bereits nach wenigen Starts hätten wir wieder alles einräumen können. Den Flugschülern zu Liebe entschieden sich Torsten Wilker und Frank Ludwig zu mindestens mit jedem Flugschüler jeweils einen Bocian-Start zu machen. So war wenigsten jeder einmal in der Luft. Doch es zog eine tiefschwarze Wolkenfront heran und der extrem böige Wind zwang uns endgültig einzuräumen. Nachdem wir dann den Flugbetrieb offiziell „vorzeitig abgebrochen“ hatten, kam die Sonne wieder heraus und das Wetter zeigt sich von seiner schönsten Seite! Unser fluggeiler Wolf Vent konnte die anderen jedoch nicht zum erneuten Ausräumen überreden.

Der Freitag war definitiv der allerschönste Tag des gesamten Fluglagers! Heute wurden die Renneritzer Sandra und Tim durch Melanie Gutsch abgelöst. Zum dritten Mal wurde eine Wilga bestellt und auch richtig viel geflogen. Die Thermik wussten Stefan Löser und Melanie sehr gut zu nutzen, sie hielten sich mit dem Puchacz immerhin 1:17 Stunden oben. Johannes Winter hat seine F-Schlepp-Berechtigung gemacht und Benjamin Kassau absolvierte seinen ersten F-Schlepp mit dem Piraten. Marc Horner konnte ebenfalls einen Erfolg verzeichnen, denn er bekam die Übung Platzrunde abgetragen. Auch Stephan Friedrich nutzte das Wetter sinnvoll – er machte seine C-Prüfung. Dennoch kann ich mich zum Freitag (fast) nicht äußern, da sich unser Jugendleiter bei einer seiner Landungen sehr schmerzhaft verletzte. - Jedoch war das keine Flugzeuglandung! Beim „Münchner Fenstersturz“ brach sich Stefan den Mittelfußknochen. Nachdem er im Technikerzimmer eingeschlossen wurde, sah er einen Sprung aus dem Fenster als einzigen Ausweg und so verbrachten wir fast den gesamten Freitag mit Herumsitzen beim Arzt. Immerhin erhielt ich von Wolfgang Schmidt noch zwei Pirat-Starts, die letzten beiden Flüge für mich in diesem Jahr.

Ich habe zum Flugbetrieb noch nie so viele Mitglieder auf einmal gesehen wie zum letzten Tag des Herbstlagers, der zugleich der letzte Tag dieser Segelflugsaison war. Zum Abfliegen bekam man seltene Gesichter zu sehen. Auch an jenem Samstag hat es Petrus mit uns nicht unbedingt gut gemeint. Trotzdem haben wir wieder eine Wilga aus Aschersleben bestellt und versucht das Beste draus zu machen. Es gab sogar ein historisches Ereignis: Nach der Wende wurde in Oppin durch Steffen Schmidt erstmals wieder Kunstflug betrieben. Alle Augen waren auf seine Loopings und weitere Kunstflugmanöver mit dem Puchacz gerichtet.
Jan Fetisch hat mit dem Geradeausflug seine erste Flugübung abgetragen bekommen und für Marco Tuppack hat es an diesem letzten Segelflugtag sogar noch für die C-Prüfung gereicht. Ich denke, dass ich dazu nicht viel sagen muss: Wer zum Abfliegen eine Prüfung macht, muss sich wohl sehr nach Schmerzen sehnen.
Am Ende hat es zum Abfliegen nur zu 18 Windenstarts und sieben F-Schlepps gereicht. Den letzten Flug des Jahres machten Ria Kresse und Steffen Schmidt mit dem Puchacz. Wieder einmal haben wir den Fugbetrieb wegen des Wetters vorzeitig eingestellt, was wirklich sehr bedauernswert, aber sinnvoll war. Zum anschließenden Werkstattfest wurden die Gedanken an das schlechte Wetter sicherlich mit viel Promille verdrängt.

Abschließend muss auch die gute Küche gelobt werden! Unser Jugendleiter Stefan Münch hat sich immerhin fast jeden Tag in die Küche gestellt, um uns entsprechend zu verköstigen! Das Essen war immer sehr gut gewürzt und einige Fluglagerteilnehmer haben zu Zwiebeln eine besondere Beziehung aufbauen können. Mir hat das Essen wirklich sehr gut geschmeckt!
Ein großes Dankeschön geht auch an Stefan Schumann und Benjamin Kassau, die an jeweils drei Herbstlager-Tagen auf das Fliegen verzichten mussten, um uns mit der Winde das Segelfliegen zu ermöglichen.

Auch wenn das herbstliche Wetter sich sehr wechselhaft gezeigt hat, konnten die meisten Flugschüler ihre fliegerischen Ziele umsetzen. Mit dem Abfliegen ging es nun leider in eine sehr lange Segelflugpause!

Martin Springer

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